EU-Gelder aus Brüssel sollen gekürzt werden: Was passiert mit dem ländlichen Raum ohne Hilfen?

Der Blick auf LEADER war für die Menschen in Siegen-Wittgenstein stets ein freudiger und hoffnungsvoller. Denn LEADER, das bekannte europäisches Förderprogramm für den ländlichen Raum, steht für Aufbruch, für neue Ideen, für Weiterentwicklung und für die konkrete Unterstützung von Menschen, die aktiv ihre Heimat gestalten wollen. Es ist eine Unterstützung der Europäischen Union, die direkt Probleme löst – und damit dort ankommt, wo sie unmittelbar gebraucht wird.

Ein neuer Treffpunkt. Ein Projekt für Vereine. Ein touristisches Angebot. Eine Idee zur Belebung des Dorfes. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Dinge, die auf dem Papier vielleicht klein erscheinen, für eine Region aber einen großen Unterschied machen können. LEADER hat gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen eine Idee haben – und die finanziellen Möglichkeiten bekommen, sie auch umzusetzen. Mehr als zwölf Millionen Euro wanderten in den letzten Jahren in Weiterentwicklungsprojekte im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Auch in Siegen-Wittgenstein ist diese Wirkung unübersehbar. Zahlreiche Projekte wären ohne LEADER vermutlich nie Wirklichkeit geworden. Doch zur Freude über diese Entwicklung mischt sich mittlerweile Angst bei den Lokalen Aktionsgruppen (LAG) der 45 LEADER-Regionen NRWs, die derzeit sorgenvoll nach Brüssel blicken.

Denn die Zukunft der LEADER-Förderung steht zur Diskussion. Im Raum stehen Veränderungen bei der EU-Finanzierung, die das bisherige Modell erheblich erschweren könnten.
So steht im Raum, dass der EU-Förderanteil im Jahr 2028 von vormals 80 Prozent eines Gesamtprojekts auf 40 Prozent sinken könnte. Die ausstehende Finanzierungslücke müssten dann Bund, Länder, Kommunen oder gar die Projektträger selbst füllen – effektiv wäre dies das Ende der LEADER-Hilfe in Siegen-Wittgenstein und vielen anderen Teilen des Landes.

„Es ist wichtig, dass der ländliche Raum nicht abgehängt wird, nur weil Gelder an der falschen Stelle eingespart werden. Durch LEADER haben die Menschen das Gefühl, dass die EU-Politik bei auch in ihrer Heimat ankommt“, positioniert sich Anke Fuchs-Dreisbach, Landtagsabgeordnete (CDU), bei einem „Krisentreffen“ zwischen Politik und den drei heimischen LAG-Regionen SauerSiegerland, 3-Länder-Eck und Wittgenstein.

Bei diesem Treffen warnten der Vorsitzende Holger Saßmannshausen (Wittgenstein), die Vorsitzende Roswitha Still (3-Länder-Eck) und die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Wesely (3 SauerSiegerland) mit flammenden Apellen davor, was diese möglichen finanziellen Beschneidungen für LEADER, die einzelnen Regionen und die Menschen des ländlichen Raumes bedeuten würden.

Fachkräftemangel, Leerstand und strukturelle Defizite seien keine abstrakten Schlagworte, sondern Themen, die Dörfer und die Zukunft der Regionen unmittelbar betreffen.

Natürlich könne LEADER diese Herausforderungen nicht allein lösen. Aber die EU-Gelder geben den Menschen vor Ort ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie selbst etwas bewegen können.

Worte, die Eindruck hinterließen. Nicht nur bei Fuchs-Dreisbach, sondern auch Benedikt Büdenbender, Bundestagsabgeordneter (CDU) aus Netphen und bei Jens Kamieth, Landtagsabgeordneter der CDU, die sich extra die Zeit für die Sorgen der drei LEADER-Regionen nahmen und den konstruktiven Austausch suchten – auch um zu zeigen, wie wichtig das Ehrenamt und das lokale Engagement für ihre Heimatkreise sind.

„Wir haben großes Interesse daran, LEADER in seiner jetzigen Form am Leben zu halten. Dafür werde ich auch in Berlin werben. LEADER ist ein tolles Instrument, welches unfassbar viel möglich gemacht hat. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie der ländliche Raum durch die EU profitiert“, so der Bundestagsabgeordnete Benedikt Büdenbender.

Und auch Jens Kamieth zeigte sich beeindruckt von den insgesamt 129 umgesetzten Projekten der drei LAG-Regionen: „Wir wissen, wie wichtig diese Fördergelder sind und können versprechen, dass LEADER in unserer Landespolitik diskutiert wird. Die Erfolgszahlen der letzten Jahre sprechen eine deutliche Sprache.“

So bleibt abzuwarten, wie die Europäische Union künftig mit den Fördergeldern haushalten wird – die Konsequenzen einer drastischen Reduzierung der LEADER-Kampagne würden allerdings die Menschen treffen, die ohnehin schon das Gefühl haben abgehängt zu werden. Es droht, dass aus Aufbruchsstimmung, Weiterentwicklung und Innovationen auf dem Land, Frust und Resignation werden.

Die Hoffnungen der drei heimischen LAG-Regionen ruhen nun auf Anke Fuchs-Dreisbach, Benedikt Büdenbender und Jens Kamieth, sowie der deutschen und europaweiten Politik.